Drohnenverordnung - Zukünftig strengere Bestimmungen für Drohnenbesitzer

Gepostet von Gerd Rosanowske - 19.01.17 16:22

Der deutsche Drohnenmarkt boomt. Mehr als 400.000 Drohnen werden in Deutschland derzeit privat genutzt – Tendenz: steigend. In drei Jahren sollen es mehr als eine Million sein. Je mehr Drohnen sich am Himmel befinden, desto größer das Unfallrisiko. Im letzten Jahr berichteten die Medien immer wieder von riskanten Drohnen-Manövern und Beinaheunfällen mit dem zivilen Luftverkehr. Angeblich soll im Jahr 2016 die Zahl der sog. „gefährlichen Annäherungen“ im Luftverkehr (64) fünfmal so hoch gewesen sein wie im Jahr 2015. Um die Sicherheit im deutschen Luftraum zum erhöhen, will das Bundeskabinett jetzt handeln und die Regeln für die private Nutzung von Multikoptern verschärfen. Am 18.01.2017 wurde dazu eine neue Drohnenverordnung beschlossen, die folgendes beinhaltet:

Drohnen-Kennzeichnungspflicht

Um im Schadenfall den Drohnenhalter schnell ausfindig zu machen, sieht der Entwurf vor, alle Drohnen die mehr als 250 Gramm wiegen zukünftig mit einer Plakette zu kennzeichnen, die den Namen und die Adresse des Eigentümers trägt. Für Betreiber von Kleinstdrohnen unter 250 Gramm ändert sich nichts.

Drohnen-Kenntnisnachweis ab 2 Kg Startmasse

Wer zukünftig eine Drohne mit einem Startgewicht von mehr als 2 Kilo außerhalb von Modellflugplätzen aufsteigen lassen möchte, muss bei einer beim Luftfahrt-Bundesamt genehmigten Stelle eine staatliche Prüfung ablegen, eine gültige Pilotenlizenz oder eine Einweisung durch einen Luftsportverein nachweisen können. Der Entwurf sieht vor, dass der Kenntnisnachweis fünf Jahre gültig ist und das Mindestalter für den Erwerb dieses Nachweises sechzehn Jahre beträgt. Was der Führerschein kosten soll, ist bisher noch nicht bekannt. Für unbemannte Luftfahrtsysteme über 25 Kilogramm Startmasse besteht ein generelles Flugverbot.

Maximale Flughöhe

Die Kabinettsvorlage sieht vor, die Flughöhe für Drohnen ab 250 Gramm auf maximal 100 Meter zu beschränken. Zudem muss sichergestellt sein, dass der Sichtkontakt zum Flugobjekt immer gewährleistet ist. Eine Videobrille bleibt erlaubt, wenn die Drohne maximal 30 Meter hoch fliegt und nicht mehr als 250 Gramm wiegt. Ist das nicht der Fall, muss eine zweite Person das Fluggerät permanent beobachten und den Steuerer auf Gefahren aufmerksam machen.

Flugverbote für sensible Bereiche

Einschränkungen wo Drohnen nicht fliegen dürfen gibt es bereits, wie z.B. über Menschenansammlungen, Hauptverkehrswegen, Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, An- und Abflugbereiche von Flughäfen, Kontrollzonen von Flugplätzen, Justizvollzugsanstalten, Industrieanlagen, bestimmte Bundes- und Landesbehörden, Wohn- und Naturschutzgebieten. Der neue Verordnungsentwurf fasst alle Vorschriften, die zum Teil in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt werden, zusammen und ergänzt sie.

Um Unfälle, Abstürze aber auch Eingriffe in die persönliche Privatsphäre zu vermeiden, sieht die neue "Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten" ein Verbot für Drohnen-Rundflüge über Wohngrundstücken vor, wenn sie über 250 Gramm wiegen oder mit einer Kamera ausgestattet sind. Ausnahme: Der Nachbar (Inhaber oder Bewohner) ist mit dem Überflug einverstanden und stimmt diesem ausdrücklich zu.

Die neue Verordnung eröffnet den gewerblichen Drohnennutzern neue Möglichkeiten. Heute wird für die gewerbliche Nutzung einer Drohne, unabhängig vom Gewicht, eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde benötigt. Zukünftig soll für den Betrieb von Multikoptern unter 5 Kilogramm Startmasse keine Genehmigung mehr notwendig sein. Darüber hinaus wird für den Gewerbebereich das bisher noch bestehende Betriebsverbot „außerhalb der Sichtweite“ zu fliegen aufgehoben. Landesluftfahrtbehörden können das für Drohnen ab 5 Kilogramm zukünftig erlauben.

Wie geht es weiter?

Mit dem neuen Verordnungsentwurf muss sich zunächst der Bundesrat befassen. Einen konkreten Termin, ab wann die neuen Regelungen gelten gibt es bisher noch nicht. Die neue Verordnung soll aber noch in diesem Jahr in Kraft treten. Hier erhalten Sie den vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur veröffentlichten Flyer zur Drohnenverordnung.

Wichtig! Denken Sie vor dem ersten Start Ihres Multikopters an die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Drohnen-Haftpflichtversicherung mit dem entsprechenden Deckungsumfang. Wer annimmt, die Private Haftpflichtversicherung bietet den optimalen Versicherungsschutz für den privat oder gewerblich genutzten Multikopter der irrt!

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